Monatsinspiration Februar – Virama: die Kunst des Aufhörens, wenn der Kopf keine Pause macht

Sagen wir es, wie es ist: Der Februar kann sich zäh anfühlen. Er ist eine Zwischenzeit – der Winterglanz ist verflogen, aber der Frühling lässt noch auf sich warten. In dieser Phase entsteht oft ein seltsamer innerer Druck. Während die Natur äußerlich noch im Wartemodus verweilt, fängt mein innerer Motor erst richtig an zu drehen. Kaum wird es draußen grau und still, schaltet mein Kopf in den Planungsmodus.

Kennst du das? Eigentlich willst du dich ausruhen, aber sofort ploppen die Aufgaben auf: den Laptop noch mal aufklappen, Nachrichten tippen, die nächste Woche im Geist sortieren. Wir sind es so gewohnt, produktiv zu sein, dass uns die bloße Anwesenheit von Leere oft unruhig macht.

Die Magie des ersten Lichts

Dabei liegt genau in diesen Tagen, am 1. und 2. Februar, eine ganz besondere Qualität in der Luft. Im Jahreskreis feiern wir jetzt Imbolc – das erste Fest nach der Wintersonnenwende. Es ist das Fest des wiederkehrenden Lichts, ein Schwellenfest, das genau zwischen der dunklen Zeit und dem kommenden Frühling steht.

Imbolc bedeutet „im Bauch". Es erinnert uns an die Zeit, in der das Leben noch verborgen, fast magisch, unter der Erde schlummert. In der nordischen Tradition ist es eine Zeit der Reinigung. Es geht darum, den alten Ballast wegzuspülen, damit Platz für das Neue entsteht, das nach dem ersten Neumond des Jahres nun ganz leise zu keimen beginnt. Es ist ein heiliger Raum des Wartens, in dem du noch nicht abliefern musst.

Warum die Stille so laut ist: Der „Default Mode"

Wissenschaftlich gesehen ist dieses Gedankenkarussell kein Zufall. Sobald wir uns nicht mehr auf eine konkrete Aufgabe konzentrieren, springt in unserem Gehirn das sogenannte Default Mode Network an. Das ist unser „Ruhezustands-Modus", der aber alles andere als ruhig ist: Er ist ein Autopilot, der sofort beginnt, die Zukunft zu planen oder Probleme zu wälzen.

Das Gehirn „rauscht" in diesem Modus einfach weiter. Wirkliches Nichtstun ist deshalb eine biologische Herausforderung, weil wir aktiv gegen diesen Autopiloten steuern müssen, um echte Stille zu finden.

Virama: Den Stopp-Knopf finden

Genau hier setzt Patanjali im Yoga Sutra (1.18) mit der Praxis von Virama an:

virāma-pratyayābhyāsa-pūrvaḥ saṃskāra-śeṣo ʼnyaḥ

T.K.V. Desikachar (in Anlehnung an das Yoga Sutra) beschreibt diesen Zustand sinngemäß so: Ein tieferer Zustand der Ruhe wird erreicht, wenn die Aktivitäten des Geistes durch das beharrliche Üben des Aufhörens (Virama) pausieren und nur noch stille Spuren zurückbleiben.

Wissenschaftler wie Dr. Joseph Jebelli bestätigen, dass dieses echte Nichtstun – also das bewusste Pausieren des mentalen Rauschens – eine biologische Wohltat für uns ist. Es erlaubt dem System eine tiefgreifende Regeneration, bei der sich tiefe Prägungen (Samskaras) ganz von allein klären dürfen.

Es geht nicht darum, die Gedanken mit Gewalt zu stoppen. Es geht darum, das „beständige Üben" des Innehaltens zu kultivieren. Wenn wir der ständigen, anstrengungsvollen Aktivität unseres Geistes eine Pause gönnen, kommen die Wellen langsam zur Ruhe. Das ist kein verlorener Moment, sondern eine notwendige Regeneration, in der sich tiefe Prägungen (Samskaras) ganz von allein klären dürfen.

Impulse für deine Matte und deinen Alltag

In unseren Yogastunden: In diesem Monat nutzen wir die Stille nach der Bewegung. Wenn wir nach einer Übung innehalten, versuchen wir, nicht sofort gedanklich zur nächsten Asana zu springen. Wir üben das Virama – diesen winzigen, magischen Raum, in dem du für einen Moment die Kontrolle und das Planen loslässt und einfach nur spürst, wie das Licht in dir arbeitet.

Virama im Alltag ankommen lassen:

• Die Schwellen-Pause: Nutze Übergänge – zum Beispiel den Moment, bevor du die Haustür aufschließt oder den Laptop zuklappst. Halte kurz inne, ohne direkt zum nächsten Punkt überzugehen. Atme aus und lass den „Default Mode" für drei Atemzüge einfach nur sein.

• Blick nach draußen: Schau für einen Moment aus dem Fenster. Wie die Schneeglöckchen, die ohne Eile durch den Boden brechen, darf auch dein Geist für einen Augenblick ziellos verweilen.

• Mit einem Augenzwinkern: Wenn du merkst, dass du schon wieder planst, begegne diesem Drang mit einem Lächeln. Sag dir: „Ah, mein Gehirn räumt gerade auf." Das nimmt den Druck, sofort produktiv sein zu müssen.

In dieser Phase zwischen dem zähen Winter und dem ersten Erwachen dürfen wir die Richtung bestimmen, in die wir wachsen wollen – ganz ohne Druck, allein dadurch, dass wir ab und zu den Mut haben, einfach mal aufzuhören.

Lovelove

Katharina

Zwischenraum

Im Raum, der da ist zwischen Werden und Sein

im Raum zwischen Außen und Innen

Im Raum, der da ist zwischen Dein und Mein

im Raum zwischen Stille und Singen

Im Raum, der da ist zwischen Schmerz und Gesund

Im Raum zwischen Tränen und Lachen

im Raum, der da ist zwischen Oder und Und

im Raum zwischen Warten und Machen

Im Raum, der da ist zwischen eng und so weit

Im Raum zwischen Fülle und Leere

im Raum, der da ist zwischen Frieden und Streit

im Raum zwischen Leichtem und Schwere

im Raum, der da ist zwischen Ruhe und Beben

zwischen Traum und der Realität

im Raum, der da ist zwischen Nehmen und Geben

da tanzt es und schwingt es –

das Leben

Lena Raubaum

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