Monatsinspiration September - Yoga und Wandel

Der September ist ein Monat des Übergangs – die Tage werden kürzer, das Licht sanfter, die Natur bereitet sich auf den Rückzug in die Stille des Herbstes vor. In dieser besonderen Zeit dürfen auch wir uns erinnern, dass Veränderung ein natürlicher Teil des Lebens ist. Genau hier finden wir eine wunderbare Verbindung zum Yoga: Patañjali beschreibt im Yoga Sūtra (I.12) zwei Schlüssel, die uns helfen, mit den Wellen des Geistes und des Lebens umzugehen:

„Abhyāsa-vairāgyābhyām tan-nirodhah.“
„Die Ruhe des Geistes entsteht durch beständige Praxis und Nicht-Anhaften.“

Diese beiden Pole – Abhyāsa (kontinuierliche Praxis) und Vairāgya (Loslassen, Nicht-Anhaften) – bilden das Fundament unseres inneren Gleichgewichts.

Abhyāsa – die Kraft der Beständigkeit

In einer Welt, die sich ständig wandelt, schenkt uns die Praxis Stabilität. Abhyāsa bedeutet, immer wieder bewusst auf die Matte zu kommen, den Atem zu spüren, den Körper zu bewegen und den Geist zu sammeln. Es ist weniger die Perfektion einer Haltung, sondern vielmehr die Wiederholung, die Kontinuität, die uns wachsen lässt. Gerade jetzt, wo die äußeren Bedingungen sich verändern, können kleine tägliche Rituale – ein Sonnengruß am Morgen, eine Atemübung in der Mittagspause, eine stille Meditation am Abend – zu Ankern werden, die uns Halt geben.

Vairāgya – die Kunst des Loslassens

Genauso wichtig wie das Dranbleiben ist die Fähigkeit, loszulassen. Vairāgya bedeutet nicht Gleichgültigkeit, sondern die Freiheit, sich nicht an das Vergängliche zu klammern. Der Herbst lehrt uns diese Lektion auf poetische Weise: Die Bäume lassen ihre Blätter fallen, ohne Widerstand, im Vertrauen, dass Neues entstehen wird. Auch wir dürfen üben, alte Muster, überholte Erwartungen oder innere Anspannungen bewusst abzugeben – sei es durch eine tiefe Ausatmung, durch Drehhaltungen, die uns reinigen, oder durch das einfache Beobachten dessen, was ist, ohne festzuhalten.

Praxis für den September

  • Erdende Asanas wie Tadasana (Berg) oder Virabhadrasana II (Krieger II) schenken uns Stabilität und innere Ausrichtung.

  • Drehhaltungen (z. B. Ardha Matsyendrasana) helfen, Ballast abzugeben und den Körper zu entgiften.

  • Pranayama mit verlängerter Ausatmung (z. B. im Rhythmus 1:2) unterstützt Gelassenheit und fördert das innere Loslassen.

  • Atem-Meditation: Immer wieder zum Atem zurückzukehren, ist gelebtes Abhyāsa. Ihn fließen zu lassen, wie er ist, übt Vairāgya.

Inspiration für dein Leben

Der September erinnert uns daran, dass Beständigkeit und Wandel keine Gegensätze sind, sondern einander ergänzen. Wir dürfen uns verwurzeln, während wir zugleich leicht genug bleiben, um loszulassen. Jeder Atemzug wird damit zu einem Symbol: Einatmen – üben, dranbleiben, präsent sein. Ausatmen – abgeben, loslassen, vertrauen.

Wenn du diese beiden Qualitäten bewusst in deine Yogapraxis und deinen Alltag integrierst, wird der September zu einem Lehrer, der dich sanft daran erinnert: Es ist möglich, mitten im Wandel inneren Frieden zu finden.

✨ Reflexionsfragen für deinen September:

  • Wo in meinem Leben darf ich mehr Beständigkeit (Abhyāsa) kultivieren?

  • Was ist es an der Zeit loszulassen (Vairāgya), damit Neues entstehen darf?

  • Wie kann ich meinen Atem bewusster als Erinnerung an Stabilität und Wandel zugleich erleben?

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Monatsinspiration Oktober - Weite atmen, Leichtigkeit spüren, Seitbeugen im Yoga

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